Star Wars Spoiler

Gestern seit langer Zeit mal wieder im Kino gewesen und jetzt fühle ich mich tatsächlich bemüßigt, über den neuen Star Wars zu bloggen.

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The Bad

Hier zu viele Dimensionen – Dort zu wenige

Ich bin jetzt keiner dieser Maschinenstürmer, die grundsätzliche Einwände gegen 3D-Filme erheben. Auch wenn die Brille das Kino-Erlebnis schon mal beeinträchtigt und ich den Eindruck nicht los werde, dass die Schatten da gern absaufen: Gewisse Regisseure haben gezeigt, welche echte cineastische Berechtigung der Technik jenseits geistloser Action inne wohnen kann. Wenn man sie eben konzeptionell einsetzt, um das Narrativ zu gestalten. Ohne ihre 3D-Effekte würde „Avatar“ oder den letzten beiden „Harry Potter“-Epen Entscheidendes fehlen.

Aber „The Force Awakens“ zählt nicht dazu. Der würde genau so einwandfrei in 2D funktionieren wie alle seine Vorgänger (vermutlich, weil gegenüber diesen auch praktisch nichts Neues zu bieten hat – doch dazu später). Dagegen kam mir ausgerechnet die Musik leider nicht plastisch genug ‚rüber. Der Soundtrack erzeugte einen wenig räumlichen Eindruck und klang platt, ja fast nach Mono. Was fatal ist, denn die Star-Wars-Reihe wird nicht umsonst als „Weltraum-Oper“ bezeichnet. Die Musik wirkt hier wie ein weiterer Hauptdarsteller, der die Handlung entscheidend nach vorn bringt. Man darf sie daher nicht auf diese Weise in den Hintergrund rücken.

Aber zurück zur dritten Dimension der Video-Spur: Das ist immerhin kein fataler Mangel. Und man muss das Positive sehen. Die Kinderchen brauchen das wohl heutzutage. Wenn die Wahl besteht zwischen aufdringlich ins Publikum röhrenden TIE-Fightern oder aber Ewoks und Jar Jar, dann immer her mit den 3D-Effekten.

Besser gut aufgewärmt als schlecht neu ausgedacht?

Ein Wüstenplanet, wo die Wracks vergangener Sternenschlachten eine Mikro-Ökonomie Schrott sammelnder Aliens ernähren. In der Abenddämmerung vermisst man geradezu den Doppelstern, eine einzelne untergehende Sonne wirkt für den Tatooine-Abklatsch zu dürftig. Nächster Outer-Rim-Planet: schmierige Kaschemme,  Alien-Band klimpert zwielichtigen Alien-Gästen laue Fahrstuhlmusik vor. Die Bösen haben sich einen neuen Todesstern gebastelt, er ist diesmal größer und kann über irre Entfernungen hinweg gleich mehrere Planeten zerstören. Die bewährte Kombination aus Kommando-Angriff gegen den Planeten, wo seine Schutzschild-Generatoren stehen, und verlustreichem X-Wing-Angriff auf seine entscheidende Schwachstelle (diesmal: „Oszillator“) bringt kurz vor Schluss die entscheidende Wende. Du ahnst es nicht. Oder halt eben DOCH, das ist ja das Schlimme!

Immerhin ist diesmal nicht der fette X-Wing-Pilot das Opfer, sondern die CGI-Aliens im Pilotenhelm. Aber wer die alten Filme sehen will, kann sich doch die alten Filme angucken illegal per Torrent in einer restaurierten Originalfassung runterladen. Ich dachte, George „Dialogmeister“ Lucas hatte diesmal nix zu tun mit dem Script. Ist es eigentlich in Hollywood echt verboten, sich neue oder originelle Set-Pieces auszudenken? Besonders lahm: R2D2 leistet seinen üblichen entscheidenden Beitrag diesmal, indem er aus dem Stand-by aufwacht. Da scheint sich jemand die Kritik an den James-Bond-artigen Gadgets ein wenig zu sehr zu Herzen genommen zu haben, die der Droid in der Roboter-Fabrik auf Geonosis zum Einsatz brachte.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: In dem Moment, wo das Aufwärmen durch die alten, bekannten und teils in Würde ergrauten Figuren angetrieben wird, stört es überhaupt nicht. Im Gegenteil. Lakonisch wie eh und je, brauchen Harrison Ford und Carrie Fisher nur wenige One-liner, um den Leidensweg von Leia und Han Solo seit der sechsten Episode nachzuzeichnen. Plastisch und herzergreifend. Einfach – und großartig.

The Good

Die neue Protagonistin. Daisy Ridley liefert als „Rey“ eine starke Vorstellung und passt weit eher in die Reihe starker, whedonesker Frauengestalten als etwa die überbewertete Katniss, die in den letzten paar Fortsetzungen auf dem „Hunger Games“-Holodeck stark nachgelassen hat.

Eine mit angenehm wenig Pathos gestaltete Botschaft wider den Kadavergehorsam bringt uns John Boyega als „Finn“, der rebellierende Sanitär-Gefreite unter den Stormtroopern. Auch der letzte Muschkote kann seinen eigenen Kopf benutzen, seine eigenen moralischen Entscheidungen treffen – wenn er will, und wenn er sich traut. Alternativlos war gestern.

Und der Schmerz im Gesicht eines wortlosen Luke Skywalker darüber, wohlmeinend und unversehens den nächsten Darth Vader geschaffen zu haben, gehört zu den großen Momenten der Kinogeschichte.

The Ugly

Und der von Adam Driver dargestellte Chef-Bösewicht passt super in unsere Zeit. Klar, er ist böse, er vollführt Gräueltaten und Kriegsverbrechen. Doch tief drin ist er vor allem ein „bully“, ein feiger Tyrann vom Typ Schulhof-Drangsalierer oder IS-Enthaupter. Und das bedeutet: Natürlich ist er ein Möchtegern. Kylo Ren ist ein Darth-Vader-Fanboy mit Selbstzweifeln, die von der Leinwand springen, lange bevor die Protagonistin sie für die billigen Plätze auch noch in Worte fasst. Seine Maske – keine lebenserhaltende Prothese, sondern reine Schau. Image und Selbstinszenierung. Er trägt sie, weil er das Styling so geil findet.

„I’m a dog chasing cars. I wouldn’t know what to do with one if I caught it“

Aber wo Vader stets cool und kontrolliert bleibt, beiläufig Zweifler maßregelt und Admirale erwürgt, da macht Ren uns das Rumpelstilzchen. Leistet sich einen albernen Ausraster nach dem anderen. Ernst nehmen kann so was natürlich niemand, im Stillen wohl auch nicht seine Untergebenen. Doch das macht ihn um so gefährlicher, weil chaotisch und unberechenbar. Lord Helmchen trifft auf Heath Ledger’s Joker, abgeschmeckt mit einem Hauch Eric Cartman – und die Mischung ist erstaunlich furchterregend.

Wenn irgendwann mal wer hier auf diesem Planeten den Knopf zum nuklearen Holocaust drückt, wird es genau so jemand sein.

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