Zahlen – mit Sicherheit?

Paypal, Kreditkarten und der Untergang des Abendlandes

29629648_s_paypalMitten während eines längeren USA-Aufenthalts kam die Hiobsbotschaft: Vorbei war es mit der Schnäppchenjagd! Paypal hatte sich entschieden, dass ihnen meine Transaktionen zu haarig vorkamen, und mir aus heiterem Himmel das Konto gesperrt.

tl;dr: Unter „Sicherheit“ fällt auch „Verlässlichkeit“!

Um genau zu sein: Irgend ein intransparenter „Sicherheits“-Algorithmus hatte das so entschieden, über den sich weiter nichts in Erfahrung bringen ließ. Außer diesem: Wenn der Allmächtige Algorithmus sich einmal entschieden hat, dann kann da niemand etwas machen. Nicht mal der supervisor des supervisors vom supervisor.

So weit, so normal. Ähnliches erlebt man ja praktisch immer, wenn man von Ebay oder Paypal irgend etwas möchte, das im Weitesten Sinne mit Service zu tun hat. Und das ist schon immer so gewesen seit Menschengedenken. Außerdem ist das Ganze schon sieben Jahre her. Wieso lamentiere ich immer noch darüber?

ebayDa gibt es mehrere Gründe. Der erste: Damals hat das eine oder andere Kreditkarten-Unternehmen es noch besser hinbekommen. Heute kann man sich darauf nicht mehr verlassen.

Auch VISA sperrte während dieser Monate in den USA die eine oder andere Transaktion. Aber in jenen Fällen erfolgte dann ein Anruf auf meine bei VISA hinterlegte Handynummer. Und im Laufe dieses Anrufs ließ sich die Geschichte dann jedes Mal so weit klären, dass spätestens einen Tag danach die Karte wieder einsatzbereit war.

Letzten November dagegen war ich noch nicht einmal im Ausland, sondern daheim in meiner Wohnung, als VISA mir die Karte sperrte. UVISAnd zwar permanent. Wegen völlig legitimer, durch mich abgesegneter Transaktionen. Und da half dann nichts – in bester Ebay-Manier. Schlimmer: Da musste ich sogar eine völlig neue Karte beantragen! Bei Paypal ist es mir jedenfalls bislang erspart geblieben, nach einer gesperrten Transaktion ein neues Konto zu eröffnen!

Der Tropfen allerdings, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist die Sache mit dem Versand der neuen Karte. Jene im November georderte neue Kreditkarte ist nämlich bis heute nicht eingetroffen.

Damit befindet sich die entsprechende Berliner Direktbank, bei der sie geordert wurde, allerdings in bester Gesellschaft. Denn die beiden zuvor bei der Sparkasse bestellten Kreditkarten habe ich ebenfalls nie erhalten.

Und noch etwas haben beide Banken gemein: Den Treppenwitz.

Ein Versand der Kreditkarte per Einschreiben ist nämlich ausgeschlossen.

Das machen die einfach nicht.Higgins_Facepalm

Letzte Woche habe ich schweren Herzens die vierte Karte innerhalb der letzten sechs Jahre bestellt. Zeitgleich mit der neuen TAN-Liste, die dann doch nicht automatisch auf die Reise gegangen war, als die TANs zur Neige gingen.

Die Liste ist bereits hier. Desgleichen die mit dieser Bestellung „aus Sicherheitsgründen“ einher gehende neue PIN, denn „aus Sicherheitsgründen“ musste mir ja zwischenzeitlich ein paar Tage lang das online-Banking abgeklemmt werden. Und auch die PIN 10322042_sder Kreditkarte für den Geldautomaten habe ich postalisch bereits erhalten. Selbst deren Konto ist bereits eingerichtet. Ich kann also schon in die Detail-Ansicht des Banking-Portals gehen und mir dort die ersten und die letzten vier Ziffern der Kartennummer anschauen.

Nur das magische Stück Plastik selbst – das lässt auf sich warten. Ist aber schon losgeschickt worden. So viel immerhin konnte das Mensch von der Hotline in Erfahrung bringen.

Fazit

Es geht – wie immer – nicht um Sicherheit.

Es geht – wie immer – um Profit.

Ginge es um Sicherheit, dann würden Kreditkarten per Einschreiben zugestellt. Wenn schon nicht per default, dann doch wenigstens gegen Aufpreis, auf Kundenwunsch.

Man benötigt keine weitere Information als diese, um mit Sicherheit zu wissen, dass die Sicherheit den Unternehmen zweitrangig ist. Jedenfalls die des Kunden.

De facto dagegen wird alles abgespeckt, eingespart und outgesourcet, was sich womöglich nicht mit billigen Stimmführungs-Menüs erledigen lässt, sondern die Dienste eines – wie schlecht auch immer bezahlten – echten Service-Mitarbeiters erforderlich machen würde. Wie etwa die Verifizierung einer vom Allmächtigen Algorithmus als fragwürdig eingestuften Transaktion. Obwohl ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, was daran heutzutage noch schwierig zu automatisieren sein soll.

Dabei sollte man doch meinen, es gäbe Konkurrenz bei den Bezahldiensten, und es gäbe das eine oder andere Unternehmen, das Kundenorientierung als Wettbewerbsvorteil einstuft.

Diesen Unternehmen sei ins Stammbuch geschrieben:

Aus Kundensicht zählt zum Thema „Sicherheit“ auch die Sicherheit, dass meine Zahlung verlässlich durchgeht. Dass ich mich darauf verlassen kann, meine gewünschten Geschäfte auch abschließen zu können, statt von meinem bezahlten Dienstleister ausgebremst zu werden.

Man muss vor diesem Hintergrund noch nicht einmal den Orwell’schen Polizeistaat bemühen, damit einem echt schlecht wird, wenn wieder ein Spinner was von Abschaffung des Bargelds faselt. So lange es Bargeld gibt, kann man wenigstens Brötchen kaufen, ohne dass ein Algorithmus dreinredet.

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