Cut!

oder: Vom Segen des Videoschnitts

In letzter Zeit war ich oft auf Youtube. Eines der Dinge, die ich an dieser Plattform am Meisten schätze, ist der Umstand, dass man dort Anleitungen für so ziemlich alles und jedes findet.

Urheberrecht: <a href='http://de.123rf.com/profile_yarruta'> / 123RF Stockfoto</a>

Autoradio austauschen? Eine lustige Kleinigkeit aus Holz basteln? Coole Möbel bauen? Eine wirklich plane Werkbank-Oberfläche erzeugen? Es gibt praktisch immer jemanden, der es schon mal gemacht und sich dabei gefilmt hat und die dabei gemachten Erfahrungen weitergibt. Wenn nicht auf Deutsch, dann auf Englisch. (Ich sag’s hier extra noch mal, denn das hat sich bei weitem noch nicht bei allen herumgesprochen, wie man etwa auf gutefrage.net/ leicht sieht.)

Eine weitere Sache, die sich allerdings noch nicht herumgesprochen hat, ist der Segen des Videoschnitts.

Viele Leute müssen sich ganz offensichtlich erst einmal warm reden. Sie haben sich auch womöglich nicht bis ins letzte Komma überlegt, was sie da genau erzählen wollen. Oder schweifen zwischendurch ab.

Das ist ja auch alles OK. Normal und menschlich. Es schadet auch niemandem, so lange derjenige nicht auf Quotenjagd ist. Man kann als Zuschauer ja <seufz> vorspulen. Oder etwas anderes anschauen.

Schwer zu ertragen wird es allerdings, wenn dafür etwas wirklich Wichtiges oder Interessantes wegfällt.

Letzthin sah ich mir eine ganze Serie Tutorials an, von einem jungen Menschen, der wirklich etwas von dem Thema verstand. Der seine Erfahrungen gemacht hatte und bewährte Verfahren weitergab. Und das war auch so ein Schwafler, der in jedem Video erst mal anderthalb Minuten lang nicht auf den Punkt kam.

90 Sekunden klingt nach wenig, aber das ist die normale Länge eines ganzen Tageschau-Beitrags zu einem einzelnen Thema. Andere Leute bringen da einen LUSTIGEN Werbespot unter.

90 Sekunden sind viel Zeit in einem Video, das insgesamt nur siebeneinhalb Minuten dauert. Genauer gesagt: Es ist ein ganzes Fünftel, oder volle 20 Prozent. Nimmt man dazu noch die Abschweifungen, die ganzen Wiederholungen, Phrasen und Füllwörter, dann ist so ein Clip schnell über weite Strecken völlig frei von nützlichem Content.

Der Anlass für dieses eindringliche Plädoyer für den Videoschnitt: In einem dieser Clips sagt der oben erwähnte junge Freund tatsächlich wörtlich (und mal wieder mehr so zu sich selbst), dass er diese Clips kurz halten will und irgend etwas von dem, was er gerade sagt, schon fast zu tief ins Detail geht.

Und ich bekam das Gefühl, in dem Moment hat er sich mehr oder weniger unbewusst und unreflektiert entschieden, etwas auszulassen.

Aber – leider! hat er da eben KEIN Geschwafel weggelassen. KEINE Zusammenfassung der letzten vier Folgen, die an dieser Stelle nichts zur Sache tut. KEINE selbstreferenziellen meta-Betrachtungen dessen, was er da gerade erzählt.

Sondern echte harte Informationen zum EIGENTLICHEN Gegenstand! Erfahrungen, die er vielleicht gemacht hat! Lehren, die er aus Fehlern gezogen hat! Lösungen für richtige Probleme!

Mit anderen Worten: Ein Stück des eigentlichen Contents, wegen dessen die Zuschauer das Video überhaupt angeklickt haben!

Und das ist doch schade.

Vielleicht bin ich da ein wenig verwöhnt von den ganzen Top-Cracks, die die oben verlinkten, größtenteils wirklich hochwertigen Videos angefertigt haben. Vielleicht bin ich auch ein wenig übersensibel. Das geschilderte Verhalten ist weit verbreitet und bildet in der Lehramtsausbildung stellenweise den Anlass für harte Schikanen durch Fachleiter. Letztlich ist es aber halt einfach schade und ineffizient und eine völlig vermeidbare Verschwendung, zumal der besagte Video-Autor technisch durchaus zum Schneiden in der Lage ist und an anderer Stelle etwa ein Browser-Video eingefügt hatte.

Ich kann Euch nur dringend bitten:

Nehmt gern erst mal alles auf. Aber schaut es euch anschließend sehr kritisch noch ein paar Mal an und schneidet alles raus, was euch dem Ziel des Videos nicht näher bringt!

UND LASST DIE WICHTIGEN INFOS DRIN!

(Dazu hilft es natürlich, sich explizit vorher auszuformulieren, worin das Ziel eigentlich besteht und was in dem Zusammenhang wirklich wichtig ist.

Auch das scheint mir auf Youtube bislang nicht so verbreitet.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s