LED-Lampen, geplante Obsoleszenz und Verbraucherschutz

18210503_sDieser Tage stelle ich unseren Haushalt auf LED-Beleuchtung um. Die Technik wirkt recht ausgereift. LED-Leuchtmittel sind in den gängigen Lampen-Bauformen erhältlich. Abstrahlwinkel und Lichtfarben haben die Hersteller zusehends besser im Griff, jedenfalls so lange man nicht zum billigsten Trödel greift. Dimmbare Modelle gibt es ohne großen Aufpreis. Im Gegensatz zu „Energiesparlampen“, also Kompakteuchtstofflampen mit integriertem Starter, ist das Licht sofort „da“. In voller Helligkeit, und auch die gewünschte Lichtfarbe wird nicht erst nach einer mehr oder weniger langen Aufwärmphase erreicht. Dazu locken Robustheit, verschwindend geringer Energieverbrauch – und das Versprechen einer schier endlosen Lebensdauer. Derart tolle Sachen machen normalerweise dick oder sind zumindest wahnsinnig umweltschädlich.

Das mit der Umwelt will ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Kopfzerbrechen bereitet allerdings das mit der Lebensdauer und die Konsequenzen, die sich daraus für den Verbraucherschutz ergeben.

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In der Feuerwehrstation 6 in Livermore, Kalifornien brennt eine Glühlampe schon seit 1901 quasi ununterbrochen.

Früher war das ja so: Die Hersteller haben erwiesenermaßen sämtliche unfairen Tricks angewendet, die ihnen nur eingefallen sind, um ihren Gewinn zu maximieren. Der Dokumentarfilm „Planned Obsolescence“ beschreibt sogar eine Taschenlampe der Glühlampen-Ära, deren Leuchtmittel sich gar nicht mehr tauschen ließ. Da muss man dann direkt eine ganz neue Lampe kaufen. Genau so lief es bei den von 1940 bis 1984 in den USA für Autos vorgeschriebenen Sealed-beam-Scheinwerfer. Dass die Hersteller die Lebensdauer ihrer Leuchtmittel jahrzehntelang künstlich beschnitten haben, galt lange als wilde Verschwörungstheorie, ist heutzutage aber unstrittig.

Wie so vieles.

Und ich habe den Eindruck, dass sich das selbst mit den fantastischen LED-Leuchtmitteln womöglich fortsetzt, wenngleich auf einem deutlich höheren Niveau.

Einfach mal rechnen:

Die meisten dieser fantastischen Lampen versprechen eine Lebensdauer zwischen etwa 15.000 und 25.000 Stunden. 365 Tage zu jeweils 24 Stunden macht 8760 Stunden im Jahr. Selbst wenn man die Funzel jeden Tag non-stop brennen lässt, kann man also die versprochene Lebensdauer innerhalb der deutschen Gewährleistungsfrist von zwölf Monaten nicht einmal theoretisch überschreiten.

Diese Angabe zur Lebensdauer ist aber nach meinem amateurhaften Rechtsverständnis eine „zugesicherte Eigenschaft“. Damit macht der Hersteller und der Verkäufer Werbung. Damit rechnet sich der Verbraucher die Preise schön. Gute LED-Leuchtmittel vom Markenhersteller kosten wesentlich mehr als Glühlampen (soweit es sie noch gibt) und immer noch deutlich mehr als Leuchstofflampen.

Brennt eine Lampe, wie im Rechenbeispiel eines Herstellers, täglich im Schnitt nur 2,7 Stunden, kommen die versprochenen 25.000 Stunden einem Zeitraum von 25 Jahren gleich. Geht die teure LED-Lampe nach zwei, vier, sechs Jahren in die Ewigen Jagdgründe ein, hat der Verbraucher gegenüber den Verkäufern jedoch keine Handhabe mehr und kann höchstens auf Kulanz hoffen.

Aus meiner Sicht ist es daher unumgänglich, dass das Verbraucherschutzrecht bei solch langfristigen Versprechen mit der Technik und dem Markt gleich zieht und die Gewährleistungsfrist entsprechend hoch setzt.

Und wenn er wirklich konsequent sein wollte, müsste der Gesetzgeber darüber hinaus die Gewährleistung auch auf den Hersteller ausweiten. Denn wie viele der aktuellen „Verkäufer“ werden auch in 20 Jahren noch ihren Webshop betreiben? Wie viele werden längst pleite sein oder wieder als Angestellte arbeiten?

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Ein Gedanke zu „LED-Lampen, geplante Obsoleszenz und Verbraucherschutz

  1. Dem kann ich mich nur anschließen:

    Ich finde es sehr ärgerlich, dass mit umweltfreundlicher LED Beleuchtung geworben wird, die viele Jahre halten soll und so Geldbeutel und Umwelt schont. In der Praxis stelle ich aber fest, dass durch die Bank LED Leuchten aller Hersteller frühzeitig defekt werden. Dies liegt immer an der eingebauten Elektronik.

    Besonders ärgerlich: der Defekt von 3 LED Lampen nach nur 3 Monaten und folgender Mailwechsel dazu mit dem Ikea Kundensupport, der offensichtlich schon ein Standardtext für dieses Problem hat:

    Meine Anfrage:
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ende Oktober 2016 habe ich 10 Stück RYET LED-Lampe E27 400 lm (LED1527G5) erworben, die seit dem alle parallel in einer Deckenlampe genutzt werden. Davon sind in den letzen 6 Wochen 3 Stück flackernd ausgefallen, jeweils im Abstand von 2 Wochen. Laut Ihrer Werbung halten diese Lampen 15.000 Stunden – tatsächlich gehen Sie eher defekt als herkömmliche Glühlampen, die ich zuvor ca. alle 2 Jahre in dieser Lampe getauscht habe.

    Ist das die Qualität mit der ich bei Ikea rechnen sollte?

    Antwort Ikea:
    vielen Dank für Ihre E-Mail.

    Unsere Energiesparlampen werden regelmäßig hinsichtlich Qualität und Verarbeitung direkt beim Hersteller überprüft. Weiterhin lassen wir die Energiesparlampen in eigenen Labors unserer Produktspezialisten in Schweden sowie durch unabhängige Institute testen.

    Werden Energiesparlampen wiederholt nur jeweils kurzzeitig eingeschaltet, z.B. wenn sie als Licht im Bad oder einem

    Abstellraum genutzt werden, wo man sich nur kurzfristig aufhält, kann dies schon vor Erfüllen der angegebenen

    Lebensdauer zu einem Defekt führen.

    Unsere Energiesparlampen erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben und geltenden Normen. Daher können wir Ihrer Beanstandung

    nicht entsprechen und hoffen auf Ihr Verständnis.

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