Ich will meine Bandbreite zurück!

Wir wohnen ja nun ziemlich weit draußen auf dem Land. In Sachen Breitbandausbau tut sich da wenig.

DownloadrateSeit wir DSL benutzen, wird uns hier versichert, dass aus dem Kupferkabel rein physisch nichft mehr als „DSL1000“ herauszuquetschen sei. Das bringt in der Praxis Downloadraten von maximal etwa 110 bis 120 KB/s. Seinerzeit ein Irrsinnsfortschritt gegenüber ISDN – heute kaum noch erträglich angesichts des ganzen Zeugs, das die Leute heute meinen, bereits in ganz normale Webseiten einbauen zu müssen. Mach was dran.

Nun möchte die Telekom – und nicht nur die – auf dem Land lieber drahtlos arbeiten. Kostet den Betreiber mit Sicherheit deutlich weniger Geld als neue Kabel zu verlegen, womöglich sogar Glasfaser, Gott behüte. Ich hatte zwar geschnallt, dass das, was die Telekom hier bei uns als „LTE“ verkaufte, in Wirklichkeit nichts anderes als UMTS in einer ganz großen Mogelpackung war. Aber von der Papierform her lasen sich selbst dessen Werte wie ein immenser Fortschritt. Also mal schnell vier Wochen lang ausprobiert.

Es wurden die bis dahin längsten Wochen meines Lebens, nicht zuletzt infolge der unsäglichen Volumenbegrenzung. Der „volle“ UMTS-Speed unterschied sich mit realen Downloadraten von 150 bis 160 KB/s kaum vom 1000er DSL – bis die paar Quoten-GB abgesaugt waren. Danach ging es auf <ächz> weniger als ISDN-Niveau weiter! Allerdings nur bei Sonnenschein. Dank mehreren hundert Metern Luftlinie mit Laubwald zum nächsten Sendemast ging bei Unwettern schnell überhaupt nichts mehr. Dann übrigens auch kein Telefon, denn das magische LTE-Kästchen war ja zugleich so eine Voice-IP-Internet-Telefonie-Lösung.

Also das Grauen. Blos weg damit. Sofort wieder abbestellt. Und jetzt kam die angenehme Überraschung: Aus dem gleichen Kupferkabel wie vorher kamen die Daten auf einmal DOPPELT SO SCHNELL!

DSL2000 über Nacht

Hurra! Ohne irgend etwas verändert zu haben, brachte das gleiche, selbst damals schon vollkommen veraltete Zyxel Router/Modem plötzlich reale Downloadraten im Bereich von 250 KB/s! Das machte sich dann doch spürbar bemerkbar. „Da geht rein physisch nicht mehr“ PAH! Ich hatte die Sprüche noch im Ohr! Das ich nicht lache!

Aber das Gras ist auf der anderen Seite ja immer etwas grüner. Und so fiel ich etwa ein Jahr später erneut auf das Versprechen kabelloser Seligkeit rein, diesmal in Gestalt eines Vodafone-Vertreters, der mit einem wichtigen Messgerät wedelte und uns „bei dieser tollen Feldstärke“ problemlosen Empfang und stabile 16 Mbit versprach. „Ganz unverbindlich vier Wochen testen – bei Nichtgefallen schalten wir einfach schnell wieder auf ihr DSL zurück!“

Da kann also gar nichts passieren. Probiert, gelacht. gelöscht. Möchte man meinen, denn es wiederholte sich im Groben die gleiche Erfahrung wie mit dem Telekom „LTE“ aka UMTS. Allerdings mit dem Unterschied, dass es mit der „Easybox“ tatsächlich irre schnell lief. Wenn sie lief. Ab und zu lief sie tatsächlich zwei, drei Wochen am Stück völlig klaglos.

Besonders anfangs war das allerdings überhaupt nicht der Fall, mit einem selbstredend völlig überlasteten Kundenservice, der bereits beim ersten Gespräch freimütig zugab, dass die Easybox-Firmware völlig buggy sei und im Zweifel nur ein Reset auf die Werkseinstellung hülfe. Wann endlich ein Firmware-Update des chinesischen Easybox-Lieferanten einträfe und ob das was bringen würde, könne niemand sagen.

Es gab Tage, da brauchte das Gerät mehrere solche „Werksresets“. (Wo man selbstredend jegliche Verbindungsdaten, Konfigurationen etc. neu eingeben muss und was alles in Allem selten unter 20 Minuten abgeht.) Besonders nervig: Man merkt es ja erst, wenn man telefonieren will oder ins Internet gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist man möglicherweise bereits seit Stunden telefonisch nicht erreichbar gewesen, ohne es zu wissen.

Bei jedem, wirklich JEDEM Gespräch fragte mich der Kundenservice zudem als erstes, wie viele „Balken“ (Feldstärke) ich angezeigt bekäme, um mir völlig unabhängig von der Antwort eine Außenantenne zu empfehlen. Selbst wenn ich es ihnen einleitend direkt untersagte. Ein Mal hab ich sie deswegen angeschrien, ein anderes Mal wie angekündigt wortlos aufgelegt.

Zugleich werd‘ ich bis heute den Eindruck nicht los, dass meine Kündigung des „Probe-Abos“ vom Vodafone Service mutwillig verschleppt wurde. Jedenfalls kamen wir aus der Nummer nicht schon nach vier Wochen, sondern erst nach annähernd sechs Monaten wieder raus, und fragt mich besser nicht, was ich selbst dazu alles unternehmen musste.

All weller in’n Pißputt

Und da waren wir nun wieder – so lahm wie eh und je. Und wir mussten noch glücklich sein. irgendwas (Technik-Geschwurbel) (IP-Verfahren?) hatte die Telekom unterdessen kupferseitig geändert, sodass der alter Router zunächst gar keinen Connect bekam. Ausführliche Gespräche mit dem Service förderten dann irgendwann die Erkenntnis zu Tage, dass der Router keinen RAM aka rate adaptive mode konnte.Es wurden dann verschiedene feste Geschwindigkeits-Einstellungen ausprobiert, von denen keine die Downloadraten von früher zurück brachte, obwohl bei 2000 immerhin eine Verbindung zu Stande kam. Die lief dem Mann von der Qualitätssicherung aber nicht stabil genug und die Downloadraten blieben wie angenagelt bei max. 120 kb/s. Also wurde eine feste Bandbreite von <seufz> 1000 eingestellt…

… und ich nahm mir fest vor, bei Gelegenheit einen neuen Router zu besorgen, der alle diese neuesten Kunststückchen drauf hatte. Das mit dem RAM hatte der Zyxel zwar seit jenen goldenen Tagen der 250 kB/s Downloadrate auch nicht verlernt, aber gut, man will ja mit der Zeit gehen und sich dem Fortschritt nicht in den Weg stellen.

Und?

Jetzt ist er da, der modernere Router, der jetzt diese selbstständige Aushandlung beherrscht. Nach minimalen anfänglichen Schwierigkeiten kriegt er auch eine Verbindung, und selbst das Aushandeln nach RAM klappt.DLINK

Allerdings liegt die höchste dergestalt ausgehandelte Rate bei 1440 Downstream. Und das hatte keinerlei Auswirkungen auf die realen Downloadraten. Zero. Absolut gar nichts. Die Umstellung ist zwar noch nicht endgültig vollzogen, weil der Technik-Mensch dazu erst irgendwelchen Kollegen vom Kundenservice noch irgendwie Bescheid geben muss. So dass ich jetzt wieder auf 1184 kbps hänge, bis diese endgültige Umstellung vollzogen ist.

Aber ich hab den schweren Verdacht, auch danach wird sich nichts an den realen Raten ändern. Und wenn der Router und der DSLAM sich noch so gut verstehen. Vielleicht sollten die beiden statt der ganzen Aushandelei einfach mal ein Bierchen trinken zusammen joggen gehen.

Bitte helft mir:

WIE KRIEG ICH MEINE BANDBREITE ZURÜCK?

Update 1: Schriftliche Entschuldigung. Mit Seedbomb. Na fast.

Mit meinem Bandbreitenanliegen hatte ich mich natürlich nicht an den Kundenservice gewandt. Die armen Lichter in der Hotline verstehen eh kaum was von der Technik und machen mich mit ihren auswendig gelernten Sprüchen aus der Fortbildung nur aggressiv. Stattdessen hatte ich direkt die Störungsstelle eingeschaltet.

Wenige Tage später nun das:

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Ein förmliches Entschuldigungsschreiben. man glaubt es kaum.

„Sehr geehrte Kundin, Sehr geehrter Kunde,

wenn Sie bei uns einen Anschluss bestellen, können und sollen Sie Leistungen in Top-Qualität von uns  erwarten. Umso mehr bedauern wir, dass Sie Probleme mit Ihrem Anschluss hatten, und möchten dies Ihnen gegenüber in aller Form zum Ausdruck bringen.

Wir sagen aber auch Danke – für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Als kleine Geste des Dankes schicken wir Ihnen einen Blumengruß.

Es liegt und viel daran, Sie zu unseren zufriedenen Kunden zu zählen. Wir hoffen, dass Sie uns auch in Zukunft treu bleiben.

Ihr

Ralf Hoßbach

Leiter Kundenservice“

In dem Tütchen sind Blumensamen. Die werd ich bestimmt gelegentlich aussäen. Ausreichend Zeit werd ich totzuschlagen haben – mehr Bandbreite ist hier draußen von der Telekom nämlich trotz all‘ der hehren Worte in nächster Zeit kaum zu erwarten. Auch nicht von anderer Seite. Das macht beispielsweise dieser dreistündige Podcast deutlich, in dem Tim Pritlove und Clemens Schrimpe bei aller Flapsigkeit recht kühl und differenziert sezieren, was dabei rausgekommen ist, dass dieses ehemalige Staatsunternehmen damals privatisiert wurde. Schon zwei Jahre alt, prä-Snowden, man glaubt es kaum, und in mancher Hinsicht womöglich gerade deshalb aktueller denn je.

Herr Hoßbach aber darf sich seinerseits auf ein Dankschreiben von mir gefasst machen, mit ein paar einfühlsamen Worten in Sachen Kundenorientierung.

Update 2: O2 – No can do.

Aus alter Zeit: Anfang der 70-er Jahre war noch die POST zuständig!

Aus alter Zeit: Anfang der 70-er Jahre war noch die POST zuständig!

Zwei entscheidende Erkenntnisse aus dem unten verlinkten Podcast:

  • Es gibt tatsächlich Anbieter außer der Telekom mit eigener Hardware, beispielsweise O2. (Meine katastrophalen Erfahrungen mit reinen Resellern wie 1&1 schildere ich vielleicht ein anderes Mal.)
  • Der DSL/Telefonanschluss unseres Hauses nutzt nur eine einzige Doppelader. Das ankommende Erdkabel enthält aber insgesamt sechs.

Da will ich das O2-Angebot doch gern mal testen. Die reißen das Maul schließlich auch deutlich weniger weit auf als die Telekom, die für unser gesamtes schönes Dorf Langscheid am Sorpesee „bis zu 16 MB/s“ verspricht. Tatsächlich liefern sie, vermutlich aus einer Mischung von atavistischer Behörden-Sturheit, eiskalt kapitalistischem Kalkül und nackter Willkür, aber nur nominelle 1148/160. „… können und sollen Sie Leistungen in Top-Qualität von uns erwarten“. Ja ja, Herr Hoßbach.

Nicht nur Fritz!boxen liefern recht detaillierte Infos zur Leitungsqualität.

Nicht nur Fritz!boxen liefern recht detaillierte Infos zur Leitungsqualität.

Also flugs beim Verkauf von O2 angerufen, die versprechen nur „bis zu 8.000 KBit/s“. Natürlich nicht völlig „flat“, die Drosselkom hat natürlich ein schönes Business-Vorbild gesetzt. Aber selbst die „bis zu 2.000 KBit/s“, die nach dem harschen Tritt des Providers auf die Zwangs-Bremse noch übrig blieben, wären noch ein spürbarer Schritt nach vorn gegenüber der aktuellen Telekom-Misere.

Aber natürlich steht da als allerallererstes die Frage nach der „letzten Meile“ im Raum. Seinerzeit mit Arcor DSL mussten wir trotz allem nach wie vor 25 Ocken den Monat fürs ISDN an die Telekom überweisen. Die Dame von der Hotline kann mich da beruhigen; das sei bei O2 nicht der Fall.

Als nächstes stellt sich die Frage, was den in der Praxis tatsächlich so rauskommt aus der Leitung. Und da interessiert mich auch kein „BIS ZU“, sondern „AB“, oder sogar „IM REGELFALL“. Regelfälle kennt die O2-Hotline aber nicht. Nur Einzelfälle. Wie in „Das kommt immer auf den Einzelfall an.“ Immerhin: Garantiert sind „ab 1.500 kB/s“. Laut Verkaufs-Hotline. Im Kleingedruckten hab ich das nirgends gefunden. „Das wird sich dann im laufenden Betrieb zeigen.“

Erdkabel mit 6 Adernpaaren

Vom KV kommen neben den beiden roten Adernpaaren noch zwei grüne und zwei graue. Nur das Kabel mit den roten wird bislang ins Haus geführt.

Das ist ja schön. Auf so eine Katze im Sack hat das gebrannte Kind nach den letzten unsäglichen Erfahrungen aber überhaupt keinen Bock mehr. Können wir nicht, statt den immerhin auf niedrigstem Niveau funktionierenden Telekom-Anschluss direkt zu kündigen, lieber erst mal für eine Testphase einfach einen zweiten Anschluss zusätzlich schalten?

„Ja nee, das geht ja nicht. Die müssten sich ja dann die Leitung teilen.“ – „Nö, hier kommen doch genug freie Doppeladern vom KV an. Da könnte man doch problemlos noch ein weiteres Kabel ins Haus ziehen.“ – „Ja nee, das geht aber nicht, wir brauchen doch da die TAE-Dose, Sie haben doch nur eine TAE-Dose!!“ – „TAE-Dosen kann man für unter 3 Euro kaufen, da schraub‘ ich einfach ’ne zweite neben, ist doch schnell gemacht. Wir könnten sogar direkt ’ne RJ-45-Dose nehmen.“ – „Glauben Sie es mir bitte: ES. GEHT. NICHT.“

Aha. Klingt auf einmal frappierend wie Christopher Lauer, die Gute. Na dann schönen Tag noch, und vielen lieben Dank.

 

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3 Gedanken zu „Ich will meine Bandbreite zurück!

  1. Ich krieg hier in Langscheid am Sorpesee über DSL nur 350kbit/s.
    Jetzt hab ich Lnet mit 6 Megabit pro Sekunde. Ich glaube die setzen auf 4g, Wimax.

    • Je nachdem wo man wohnt, geht das bestimmt auch ganz gut. Wenn die Funkwellen es halt nicht so weit haben und nicht durch den Wald oder andere Häuser müssen oder so was. Der Sendemast steht soweit ich weiß oben an der Ringstraße beim Spritzenhaus beziehungsweise neben dem Wasserspeicher.

      Update 3 übrigens: Ich hab vor vier Wochen bei der Telekom beantragt, dass sie uns auf das wundersame „IP-Verfahren“ umstellen. Will sagen kein ISDN mehr, sondern nur noch Ethernet (mit NAT natürlich) und Telefon läuft über VoIP. Dabei schalten sie einen grundsätzlich auf 2 MBit hoch, um sicherzustellen, dass die VoIP-Telefonie gescheit läuft. Letzten Montag wurde endlich umgeschaltet (dazu war zwei Tage das Telefon tot) aber jetzt HAB ich die Bandbreite wieder.

      Die von der Fritzbox angezeigte Leitungskapazität variiert seither zwischen knapp über 2,2 MBit und 4,5 MBit oder so, aber mehr als den 2304 kbit/s Connect gibt es natürlich nie. Ich glaub, als nächstes probier ich doch noch mal, O2 zum Legen eines neuen Anschluss zu überreden.

      • Es ist doch so: Wenn Dörfer selbst ausbauen, dann kommt schnell die Telekom und baut auch aus.
        Man müsste also nur ankündigen das man ausbaut.

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