Vermögensverteilung – der ungerecht verteilte Reichtum der USA

Ich hab da vor einiger Zeit auf Youtube dieses Video zur Vermögensverteilung in den USA gesehen, daran muss ich immer mal wieder denken. Ich habe keinen Grund zu zweifeln, dass es in vielen reichen Ländern der EU ganz ähnlich aussieht, vor allem auch in Deutschland und Großbritannien. Update: Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass das Vermögen in keinem Land der EU so ungleich verteilt ist wie in Deutschland (hier Link zum entsprechenden Artikel in der SZ).

Hier der übersetzte Kommentar:

„Es gibt da ein Diagramm, das kann ich nicht mehr vergessen. Ein Wirtschaftsprofessor aus Harvard hatte 5.000 US-Bürger befragt, was sie glauben, wie die Vermögensverteilung in den USA aussieht.

So haben die sich das vorgestellt:

Wenn man das Land in fünf Gruppen aufteilt – die Reichsten, die Ärmsten und drei Gruppen in der Mitte, alle jeweils mit etwa 20% der Bevölkerung – dann haben die Befragten sich die Verteilung des gesamten Reichtums SO vorgestellt.

Als nächstes hat er sie gefragt, wie die IDEALE Verteilung ihrer Meinung nach aussehen sollte. 92 Prozent von ihnen, also mehr als neun von zehn, fanden, der Reichtum sollte mehr SO verteilt sein. Also die Verteilung sollte gleichmäßiger sein als die von ihnen Angenommene.

Aufschlussreich: Den meisten Amerikanern scheint bereits klar zu sein, dass das System unfair verzerrt ist. Aber am Interessantesten ist für mich, wie die Realität tatsächlich aussieht – im Vergleich zu unserer Wahrnehmung:

Das Idealbild ist so weit von unserer Wahrnehmung der Realität entfernt wie die tatsächliche Verteilung des Reichtums – nur auf der anderen Seite.

Also gehen wir noch mal einen Moment weg von der als ideal wahrgenommenen Verteilung: SO stellen sich die meisten Amerikaner die Verteilung vor – und SO sieht sie tatsächlich aus. Geradezu schockierend aus dem Gleichgewicht.

Nicht nur, dass die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung fast gar nichts vom gesamten Vermögen besitzen – man erkennt sie auf dem Diagramm ja kaum.

Aber das reichste Prozent der US-Bevölkerung besitzt mehr vom gesamten Vermögen, als die reichsten 20 Prozent idealerweise besitzen sollten, wenn man nach der Meinung von 9 von 10 US-Bürgern geht.

Unfassbar. Aber schauen wir uns das noch mal in einer anderen Darstellung an, denn diese hier ist noch immer nicht so eingängig. Angenommen, diese 100 Menschen hier stünden repräsentativ für die gesamten 311 Millionen Amerikaner. Um es zu vereinfachen. Hier sind sie: Lehrer, Sportlehrer, Feuerwehrleute, Bauarbeiter, Ingenieure, Ärzte, Juristen, ein paar Investment-Banker, ein Konzernchef, vielleicht der eine oder andere Promi.

Die stellen wir jetzt der Reihe nach auf, in der austeigenden Reihenfolge ihres Vermögens. Die Ärmsten ganz links, die Reichsten ganz rechts, einer neben dem anderen in einer Reihe. Und nehmen wieder die gleichen Farben wie gerade, je nachdem in welchem Fünftel sie sich befinden.

Und jetzt reduzieren wir das gesamte Vermögen der USA, das waren 2009 ungefähr 54 Billionen Dollar, auf diesen symbolischen Haufen Geld hier. Und den verteilen wir jetzt auf unsere 100 Bürger.

Das hier wäre der gefürchtete „Sozialismus“: Der gesamte Reichtum wäre gleichmäßig verteilt. Wie wir alle wissen, kann das gar nicht funktionieren. Die Leute brauchen nun mal einen Anreiz dafür, hart zu arbeiten. Damit sie den guten alten amerikanischen Traum umsetzen und unser Land voran bringen.

Also stattdessen hier diese Idealvorstellung, nach der wir alle Beteiligten befragt hatten. Das wäre gar nicht so schlecht: Es gibt einen gewissen Anreiz, die reichsten Leute sind jetzt etwa zehn bis 20 Mal so reich wie die Ärmsten.

Aber selbst diese Armen sind nicht wirklich arm: Die Linie, die die Armutsgrenze markiert, ist fast ganz links. Die Mittelklasse ist finanziell sehr gesund aufgestellt. Und ja: Sowohl Republikaner als auch Demokraten befürworten dieses Modell. Neun von zehn Leuten finden, dass das hier eine ideale Verteilung des Vermögens wäre.

Aber weiter im Text: Die meisten Teilnehmer an der Studie GLAUBTEN, in Wirklichkeit sehe die Verteilung aus wie hier. Nicht ganz so gleichmäßig, aber für mich sieht selbst das hier noch ganz gut aus. Zugegeben, die ärmsten zehn bis 20 Prozent beginnen hier im Vergleich zum Ideal bereits ziemlich unter Armut zu leiden. Und die Mittelklasse muss sich jedenfalls deutlich mehr abstrampeln. Während die Reichen und die Superreichen  etwa hundert Mal so viel verdienen wie die ärmsten Bürger und immer noch zehn Mal so viel wie die nach wie vor halbwegs gesunde Mittelklasse.

Leider kommt das der Realität aber nicht einmal ansatzweise nahe. Die sieht nämlich tatsächlich SO aus.

Da finden die Ärmsten praktisch überhaupt nicht mehr statt. Und die Mittelklasse ist kaum von den Armen zu unterscheiden. Tatsächlich geht es hier sogar den Reichen zwischen der obersten und der zweitreichsten Gruppe spürbar schlechter. Nur den zehn reichsten Prozent geht es hier besser.

Wie viel besser? Nun, so viel besser, dass dieses Diagramm für den Reichtum der obersten zwei bis fünf Prozent einfach nicht mehr hoch genug ist.

Und der Allerreichste? Dieser Typ hier? Dessen Stapel Geld ist zehn Mal höher als sich hier darstellen ließe. Hier sein persönlicher Geldstapel noch mal extra, ganz für sich allein. DAS ist das oberste Prozent, von dem wir so viel gehört haben. Der hat so unglaublich viel Schotter, dass ich ihm eine ganze eigene Spalte geben musste, weil er sonst nicht in mein Diagramm gepasst hätte.

Ein Prozent aller US-Bürger besitzt 40 Prozent des Vermögens.

Die ärmsten 80 Prozent, also acht von zehn, oder die untersten 80 in diesem Diagramm, kommen zusammen nur auf sieben Prozent.

Und diese Schere ist erst in den letzten 20, 30 Jahren so richtig auseinander gegangen. Das reichste Prozent verdient heutzutage fast ein Viertel des gesamten Einkommens. 1976 waren das noch lediglich neun Prozent. Ihr Anteil am gesamten Volkseinkommen hat sich in den letzten 30 Jahren also fast verdreifacht.

Das oberste Prozent ist im Besitz der Hälfte aller Aktien, Anleihen und Fondsanteile. Die ärmere Häfte der Bevölkerung besitzt zusammen nur ein halbes Prozent dieser Anlagen. Die können eben nichts sparen oder gar investieren. Bei denen reicht es nur so gerade zum Leben.

Viele von diesen reichen Leuten haben ganz bestimmt sehr hart für ihr Geld gearbeitet. Aber glaubt ihr wirklich, der Unternehmensvorstand arbeitet 380 Mal so hart wie sein durchschnittlicher Angestellter?

Wohlgemerkt: Nicht als der am schlechtesten bezahlte Angestellte. Nicht als der Hausmeister. Sondern als der durchschnittliche Angestellte.

Der Durchschnittsverdiener muss mehr als einen Monat lang arbeiten, um so viel zu verdienen wie der Konzernchef in einer einzigen Stunde.

Wir müssen ganz bestimmt nicht bis runter zum Sozialismus gehen, um ein Modell zu finden, bei dem die hart arbeitenden Bürgern der USA einen fairen Anteil erhalten.

Wir müssen noch nicht einmal diejenige Verteilung erreichen, die die meisten von uns ideal finden.

Alles, was wir tun müssen, ist aufwachen und bemerken, dass die Realität in diesem Land in keinster Weise so aussieht, wie wir glauben.“

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2 Gedanken zu „Vermögensverteilung – der ungerecht verteilte Reichtum der USA

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