Gras ist nass, Wasser ist grün

Eine Antwort auf http://www.twitlonger.com/show/n_1rm63ju.

Jasna die Faserpiratin hält auf der OM13 einen langweiligen und ziellosen Vortrag, in dem sie darstellt, dass jede Menge eklige Leute auf die „#Aufschrei“-Aktion vorhersehbar jede Menge eklige Reaktionen abgesondert haben. Weder ihr noch dem Publikum fällt was ein, was man da groß machen könnte außer betroffen sein und sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen.

So weit, so normal.

Jasna begeht jedoch den Fehler, ein Teeniemädchen namens „@ochdomino“ ebenfalls bei diesen ekligen Leuten zu verorten, obwohl die gar nix mit Frauenhass und wenig mit Diskriminierung zu tun hat. Was auch eigentlich nicht schwer zu erkennen ist. Vermutlich passiert Jasna das wegen @Ochdominos dreckigen Schandmauls wollte natürlich sagen: ihrer nicht gesellschaftsfähigen Wortwahl. Der gehen aber lediglich ein, zwei ganz bestimmte Gruppen von Feministinnen auf den Keks, und zwar aus guten Gründen. @Ochdomino wiederum dreht irgendwann durch und nimmt ihr Blog offline, wo sich jetzt nur noch ein länglicher Rant ihres frustrierten Vaters findet.

So weit, so normal auch das. <seufz> Der Rest ist Geschichte: Alte Gräben in der Partei werden aufgerissen; die Kommentare bei der ursprünglichen Youtube-Fassung überschlagen sich; die eine Seite sorgt dafür, dass das Video depubliziert wird; die andere stößt aus einem Parlament heraus diffuse Drohungen aus, um es wieder online zu bekommen; derweil zerreißt sich die halbe Partei auf Twitter das Maul über den Schwachsinn und die andere Hälfte packt sich an den Kopf. Wobei sich die Hälften stellenweise auch ganz gut überschneiden.

Alles nicht sehr staatstragend.

Der Grund, dass ich hier auch noch darüber schreibe, ist der, dass der Fall ein prägnantes Beispiel für ein wiederkehrendes Muster bildet: Vielen Leuten in der Piratenpartei fällt es komischerweise ausgesprochen schwer, diskriminierende Arschlöcher von Leuten zu unterscheiden, die einfach nur eine andere, aber legitime Meinung haben.

Dabei ist das eigentlich oft nicht schwer.

Wie hier.

Wenn man nur mal für drei Sekunden hinter die Wortwahl blickt, fällt einem das auf. Diese Wortwahl ist inakzeptabel und mit dem jugendlichen Alter der Verfasserin auch nur sehr begrenzt zu entschuldigen. Und dass sie damit ihrem Anliegen keinen Dienst erweist, musste sie halt ebenfalls noch lernen.

Wie die meisten von uns.

Der Unterschied zu besagten ekligen Idioten und Frauenhassern besteht darin, dass @Ochdomino zu solchen Lernprozessen in der Lage ist. Während man bei jenen nun mal einfach tatsächlich nix erreichen kann.

[Genau wie bei der Bundestagswahl: Hardcore-Altparteien-Wähler kriegen die Piraten eh nicht. Da können sie sich auf den Kopf stellen. Entsprechend sind jegliche Ressourcen verschwendet, die auf dieses Ziel gerichtet werden. Eine Chance haben sie nur bei Leuten, die zu Lernprozessen und Transferleistungen jenseits ihrer etablierten Wahlgewohnheiten willens und in der Lage sind.]

Entsprechend wäre hier übrigens ein Ansatzpunkt für einen Vortrag gewesen, bei dem mal wirklich produktiv was rumkommt, statt über die – echten – „Hater“ ratlos die Schultern zu zucken. Haters gonna hate. Aber solche Kollateralschäden, wie sie hier angerichtet wurden, die werfen das eigentliche Anliegen wirklich massiv zurück.

Und dann gibt es auch noch diejenigen Leute, denen fällt die beschriebene Differenzierung so schwer – da kommt man nicht um den Verdacht herum, dass sie diese Differenzierung gar nicht vornehmen wollen.

Sondern dass sie Leute allein schon aufgrund des Umstands, dass sie eine andere Meinung vertreten, ausnahmslos in die „Hater“-Ecke drängen. Weil kann ja nicht sein.

Das ist dann das Totschlag-Verhalten selbstgerechter Flachpfeiffen.

Nun hat mich ein kluger Mensch schon mal drauf hingewiesen, dass ich öfter mal Hanlon’s Razor anwenden sollte, sprich: Hinter so was mal eher menschliches Versagen vermuten soll, also mehr oder minder reine Dummheit, vor der niemand gefeit ist. Und nicht planvoll handelnde Boshaftigkeit. Ich kenne die Faserpiratin nicht näher und wäre nach dem, was ich bisher mitbekommen habe, bereit, ihr so viel zuzugestehen. Das kommt auch noch ein wenig auf ihr weiteres Verhalten in dieser Sache an. Man muss so was ja auch mal etwas sacken lassen, bevor man so weit ist, sich ernsthaft an die Brust zu klopfen. Ich kenne das selbst zur Genüge.

Aber es wird dann wirklich ausgesprochen schwer erträglich, wenn die weiter oben beschriebenen Knallchargen dann auch noch für die Piraten in Vorständen oder gar Parlamenten sitzen. Und dort womöglich wenig anderes tun als ab und zu in Mumble oder Stream Aktivität zu simulieren. Aber wenig von dem, was sie vor ihrer Wahl mal angedeutet haben tun zu wollen. Die dann auch gern aus reiner Eifersucht jene Leute drangsalieren und in diese Hater-Ecke drängen, die unsere zentralen politischen Anliegen durch ihre effiziente Arbeit, auch Kopfarbeit, mal wirklich voran bringen könnten.

Soweit das Wort zum Sonntag. Und jetzt geht in den PShop und bestellt Piratestarter-Plakate!

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6 Gedanken zu „Gras ist nass, Wasser ist grün

  1. Das wirklich miese daran ist ja, ich habe es mir gestern verkniffen, folgendes zu twittern:“Der Vortrag ist einfach schlecht. Außer Bashing nix Substanzielles“
    Warum habe ich mir das verkniffen? Schlicht und ergreifend aus der Angst heraus, mal wieder in eine Ecke gestellt zu werden.
    Jemand twitterte gestern sinngemäß:“Die Veranstaltung heißt „open Mind“, oh the irony“, auch den habe ich mir verkniffen zu retweeten, weil immer dieselben Leute aus geäußerter Kritik Anfeindungen oder Geisteshaltungen kreieren, die nicht existent sind.
    Bei allem Verständnis dafür, dass #Aufschrei sicher nicht vorbei ist und dass da dringend eine Debatte zu führen ist, die Hauptprotagonisten sind schlicht ungeeignet eine solche Debatte zu führen und das leider auf beiden Seiten.

  2. Gut beobachtet, gut geschrieben … leider wird es die »Vielen Leuten in der Piratenpartei…« nicht sonderlich interessieren. Die nächste Welle kommt bestimmt, spätestens am 22. September um 18:30. Oder später, weil wir nur unter »Sonstige« geführt werden.

  3. Der Vortrag ist grottenschlecht, warum hat sie nicht einfach alle bösen Tweets und Meldungen über die Leinwand flimmern lassen und ist nen Kaffee trinken gegangen? Lesen hätte man das auch selber können…Und auch den Hinweis an die Maskus, sry, aber ist das nichts anderes als Bashing?

    Ich habe mich gestern wieder furchtbar aufgeregt, aber dank meines stabilen Umfeldes auch schnell wieder eingekriegt. Nach der Wahl wandern die Fems eh weiter zur nächsten Partei in der sie Unfrieden stiften können.

    Was ich persönlich an #Aufschrei noch schrecklich finde, ist das Frauen denen ein Mensch auf den Hintern geschaut hat, versuchen, sich auf eine Stufe mit Frauen zu stellen, die vergewaltigt und misshandelt wurden. Und diesen Frauen gibt man dann noch eine Bühne…

  4. Wie? Was? @ochdomino ist nicht bei diesen Antifeministen zu verorten? Da muss man aber große Scheuklappen haben, um so etwas zu schreiben.

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