Das letzte Gefecht

Kampf gegen die Angst

Der Kampf ums Leistungsschutzrecht ist erst mal verloren. Übermorgen winkt Schwarz-Gelb es durch den Bundestag. Was uns bleibt, ist die Chance auf ein letztes Fanal. Tragt euch bitte bei http://informationsverzicht.de/ ein und macht den Verlegern deutlich, wie stark ihr Umsatz im Printbereich jetzt bald einbrechen wird. Weil sich die Uhr nicht zurückdrehen lässt und weil wir, wegen ihres persönlichen Affronts gegen unsere persönliche digitale Heimat, ihr gestriges Totholz jetzt mit dem Arsch nicht mehr angucken.

Thema Leistungsschutzrecht. Da deutete sich vor wenigen Tagen bereits ein Separatfrieden zwischen Google und den Verlagen an. Alles andere wäre für die Verleger auch geschäftlicher Selbstmord, denn falls Google sie von der Liste schmeißen und ihren Content nicht mehr verlinken würde, dann würde Google zwei Monate später immer noch wachsen und gedeihen, aber die Werbe-Einnahmen der Verlage wären dann weg. So einfach ist das. So gesehen ein reiner Gnadenakt von Google, die Verleger da gesichtswahrend und professionell sogar noch mit einem Trinkgeld abzuspeisen, statt deren hirnverbrannten Schwachsinn zum offenen Krieg eskalieren zu lassen.

Piraten und Netizens ging es aber gar nicht um Google. Der Riesenkonzern kann auf sich selbst aufpassen. Uns geht es um alle anderen, die im Web publizieren und dabei künftig nicht mal kleinste Textschnippsel von anderen Websites verlinken können, ohne teure Klagen und Abmahnungen zu riskieren.

Wohlgemerkt: Vielleicht kommt gar keine Klagewelle – aber das Risiko wird jetzt immer mitschwingen. Es gibt keine Rechtssicherheit mehr; und damit wird sich auch das Verhalten zahlloser kleiner Sites und Blogs ändern.

Aus Angst!

Angst, die Verleger, Lobbyisten und die 1.0-Politikdarsteller der lobbygesteuerten Altparteien ins Netz pumpen!

Sascha Lobo hat das auf seinem Blog seinerzeit sehr schön deutlich gemacht, als das Scheitern der Epetition gegen das LSR sich bereits abzeichnete. Bis zur Lektüre jenes Texts, muss ich zu meiner Schande gestehen, hatte auch ich die wahre Lage und das gigantische Ausmaß des Problems nicht wirklich durchdrungen. Ich möchte daran noch jetzt mit einem Beispiel aus meiner eigenen täglichen Praxis als Übersetzer anknüpfen.

Da gibt es einen Website namens Linguee. Die Idee: Wir nehmen das Web als Wörterbuch. Man kann da ein paar Wörter eingeben und Linguee sucht Webseiten, wo diese Wörter in nicht allzu großer Entfernung voneinander vorkommen. Und dann sucht es englische (französische, spanische, portugiesische) Übersetzungen dieser Webseiten, wo die gleiche Stelle möglichst ebenfalls vorkommt, und blendet die fremdsprachliche Textstelle ein. Irre praktisch. Ein Wörterbuch kann diese Seite natürlich nicht einmal ansatzweise ersetzen. Aber sie bietet einen Einblick in den Sprachgebrauch der fremdsprachlichen Muttersprachler! Authentische idiomatische Ausdrucksweise! Und sei es nur, wenn einem eine grundsätzlich bekannte Wendung oder Phrase einfach mal kurz nicht einfällt, wo man auf dict.leo.org erst mal Forendiskussionen durchforsten müsste. (Die ebenfalls oft super nützlich sind.)

Zugegeben, es ist in der Praxis etwas komplizierter, weil man bei jedem Linguee-Resultat schon sehr aufpassen muss, ob es sich wirklich um eine authentisch muttersprachliche Seite handelt oder nicht doch um eine jener zahllosen mehr oder minder schlechten Übersetzungen von Fremdsprachlern in eine Fremdsprache. Aber man hat die Chance! Und es ist eine Hilfe! Und Linguee ist jetzt bald wohl WEG vom Fenster, weil die in Zukunft einfach nicht mehr wissen können, wer ihnen dafür ein Abzock-Abmahnung reindrückt!

Und darum möchte ich an dieser Stelle schließen mit einem krassen Verstoß gegen das kommende Leistungsschutzrecht, für den Sascha Lobo mir schon in wenigen Monaten eine irre teure Abmahnung wird reindrücken können – denn in der folgenden Stelle aus dem oben verlinkten Blogpost verdeutlicht er sehr schön, warum Aktionen wie die oben angesprochene http://informationsverzicht.de/ so nötig sind:

„Der ACTA-Protest war so erfolgreich, weil eine Mobilisierung enormen Ausmaßes stattfand, es verwandelten sich vielen Worte im Internet in bundesweite Demonstrationen in touchscreenfeindlichem Frost. Die 134.014 [Anti-ACTA-Demonstranten] war 2009 der ausschlaggebende Grund, weshalb der deutsche Netzaktivismus erstmals ernstgenommen wurde. Die Petition war die Schnittstelle, wo sich das Wortgetöse auf Twitter in messbare Wirkung verwandelte. Ein solches Mobilisierungsymbol ist notwendig. Denn die sozialen Medien sind ein Dampfplauderbad: wer drin ist, spürt die Hitze. Wer nicht drin ist, spürt auch keine Wirkung. Und eine noch so eindrückliche Beschreibung von 90° Celsius ist viel entspannter auszuhalten als 90° Celsius. Eine Epetition auf den Servern des Bundestags aber macht die Empörung messbar und verleiht ihr eine politische Wirkung.“

Also bitte. Leute. Tut es. Geht ganz einfach.

It’s better to burn out | than to fade away.

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